Inter­view: Fibo Deutsch

 

Sie arbei­te­ten in den 60er Jah­ren als Boulevard-Reporter beim frisch­ge­ba­cke­nen Blick. Wie ist Ihnen Hugo Koblet in Erin­ne­rung geblieben?

Ich war damals ein blut­jun­ger Repor­ter und sym­pa­thi­sierte mit Koblet. Er stand für eine neue, welt­of­fene Schweiz ohne den Mief der Nach­kriegs­zeit. Sich im sport­li­chen Dau­er­bren­ner hin­ter Küb­ler oder Koblet zu stel­len, war nicht nur bei den Lesern son­dern auch inner­halb der Redak­tion eine Frage der Welt­an­schau­ung. Die einen waren der Mei­nung, Erfolg müsse man sich red­lich ver­die­nen wie Küb­ler. Die ande­ren gönn­ten Koblet, dass ihm die Erfolge förm­lich in den Schoss fie­len. Ich zog den poly­glot­ten Char­meur Koblet dem sprö­den ‘Chramp­fer’ Küb­ler klar vor. Wäh­rend Küb­ler schwitzte und sich ste­tig abmühte, schwang sich Koblet locker aufs Rad und bezirzte neben­bei noch die halbe Welt. Die Schweiz hatte damals kaum Pro­mi­nente mit solch inter­na­tio­na­ler Aus­strah­lung, wie er sie hatte. Er war der erste Schwei­zer Sport­ler der im Blick auch im Boulevard-Teil Schlag­zeile machte.

 

Mit dem Ende sei­ner Kar­riere umzu­ge­hen, fiel dem Strah­le­mann dann weni­ger leicht. Wie wurde das von der Öffent­lich­keit aufgenommen?

In Koblets Fall steckt die Tra­gik eines jeden Spit­zen­sport­lers, des­sen Tage im Olymp natur­ge­mäss gezählt sind und der sich eines Tages mit der Frage kon­fron­tiert sieht, was denn danach kommt. Koblet ver­suchte, seine Popu­la­ri­tät über die Garage wei­ter zu ver­kau­fen, zeigte sich sehr gross­zü­gig, konnte nie­man­dem einen Wunsch aus­schla­gen. Als Bou­le­vard– Repor­ter sta­chel­ten die zahl­rei­chen Gerüchte um seine Geld­nöte und Sche­re­reien mit sei­ner Frau natür­lich meine Neu­gier an. Obwohl ich keine direk­ten Belege ans Tages­licht brin­gen konnte, hiel­ten die Spe­ku­la­tio­nen an. Bloss konn­ten die sei­nem Strahlemann-Image kaum was anha­ben. Die Öffent­lich­keit sah in ihm den Aus­er­wähl­ten – und daran hielt sie fest, komme was wolle.

 

Einen Tag nach sei­nem Tod spe­ku­lier­ten Sie im Blick über einen all­fäl­li­gen Sui­zid­ver­such. Was bewog Sie dazu?

Als die Mit­tei­lung der Poli­zei ein­traf, Koblet sei mit sei­nem weis­sen Alfa in einen Baum gedon­nert, fuhr ich sofort zum Unfall­ort. Dort stiess ich auf einen Zeu­gen, der behaup­tete, gese­hen zu haben, wie der weisse Alfa mehr­mals die Stre­cke abge­fah­ren war und jeweils nach dem Baum wen­dete. Ich fuhr dar­auf­hin die besagte Land­strasse in stark über­höh­tem Tempo sel­ber mehr­mals ab und ent­deckte, wie schwie­rig es war, in der leich­ten Kurve vor dem Baum aus der Spur zu kom­men. Anzu­neh­men, dass da Absicht im Spiel war, erschien mir daher kei­nes­falls abwe­gig. So haben mich diese Indi­zien zu der Ver­mu­tung geführt, es könne sich um einen Selbst­mord handeln.

 

Womit Sie nicht gerech­net hat­ten, waren die hef­ti­gen Reak­tio­nen, die Sie damit auslösten…

Die fie­len in der Tat sehr hef­tig aus und über­rasch­ten mich ein wenig. Seine Frau, das Model Sonja Bühl, beschimpfte mich im Spi­tal laut­hals und die Redak­tion lag sich in den Haa­ren, ob ein der­art makel­lo­ser Held so ver­un­glimpft wer­den dürfe oder nicht. Die Geschichte wurde mir umge­hend aus den Hän­den genom­men, das Able­ben Koblets vom Bou­le­vard­teil abge­zo­gen und man beschränkte sich in der Folge auf eine mehr­tei­lige Hom­mage im Nach­ruf mit dem Titel ‘Wen die Göt­ter lie­ben’. Mein Augen­zeuge zog dar­auf­hin seine Aus­sage zurück und ich wurde auf andere Geschich­ten ange­setzt. Ver­är­gert dar­über war ich nicht, denn das ist im Bou­le­vard ein­fach so, schliess­lich ist nichts so alt wie die Story von gestern.